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ANDY WARHOL, 10. September 2010 – 18. Dezember 2010

PAINTINGS AND COLLAGES

Galerie Klüser & Galerie Klüser 2

 

Zu den Lenin Portraits von Andy Warhol:

„Am 20. Mai 1887 wurde Lenins Bruder Alexander Uljanow hingerichtet. Er hatte ein Attentat auf Zar Alexander III vorbereitet. Nicht zuletzt durch dieses traumatische Erlebnis wurde Lenin zum Revolutionär und beeinflusste in den folgenden Jahrzehnten die Geschichte Europas mehr als jeder andere Politiker. 100 Jahre später starb im Februar 1987 unerwartet Andy Warhol, der erste radikal amerikanische Künstler. Seine letzte Bildserie ist Lenin gewidmet.

Das Projekt nahm seinen Anfang Ende 1985 in Italien, als mir Enzo Cucchi von einem außergewöhnlichen Lenin Photo berichtete, das sein Freund Claudio di Gianbattista in Rom kurz zuvor erwerben konnte. Am folgenden Tag sahen wir die schwarz-weiß Aufnahme, die trotz einiger Fehlstellen und Einrisse die würdevolle Aura eines historischen Dokuments hatte. Ein selbstbewusster und energischer Lenin, mit durchbohrendem Blick, unerwartet als Intellektueller vor einigen Büchern dargestellt. Das Photo fiel jedoch vor allem durch seine Strenge auf. Es wirkte in der formalen Heraushebung von Kopfform, Hemdpartie, Bücherstapel, Hand und Manschette vor einem tiefschwarzen Hintergrund fast suprematistisch. Ein von uns ad hoc nicht zu entzifferndes kyrillisch geschriebenes Label auf der Rückseite verstärkte die geheimnisvolle Ausstrahlung.

Einige Wochen später konnte ich in New York Andy Warhol das Lenin Portrait zeigen. Schon seit zwei Jahren bestand der Plan, mit ihm ein neues Projekt zu verwirklichen. Es sollte nicht die klassischen Warhol Images der Ikonen des amerikanischen Alltags fortsetzen, sondern den Künstler mit einem „Gegenbild“ konfrontieren. Das Lenin Photo schien deshalb inhaltlich und seiner formalen Qualität wegen eine ideale Vorlage zu sein.

Andy Warhol akzeptierte den Vorschlag mit der ihm eigenen unemotionalen Begeisterung nach einem kurzen Blick auf das Photo. Wir einigten uns auf eine Serie von Bildern in drei verschiedenen Größen, einige Zeichnungen und Collagen und einen Siebdruck als Edition. Er begann umgehen mit einer Folge von Zeichnungen. Entscheidend für den Typus der Bilder wurden die Erfahrungen, die wir beim monatelangen Probedrucken der Graphiken machten. Die eingesetzten Farben reduzierten sich, als Hintergrund wurde das Schwarz der Vorlage dominierend und die Zeichnung als Umrisslinie einige Male korrigiert. Im Dezember 1986 waren alle Arbeiten fertig gestellt.

Ich werde nie den Eindruck vergessen, den alle großformatigen Portraits, aufgereiht an einer Factorywand, auf mich machten. Aber auch nicht Andy Warhols Stolz auf diesen Zyklus – wenige Tage vor seinem Tod.“ (Bernd Klüser, München, März 1987)

 

 

 

Die Galerie zeigt in ihrer Ausstellung eine Auswahl dieser Lenin Portraits sowie weitere Arbeiten, die in direkter Zusammenarbeit mit der Galerie Bernd Klüser entstanden sind. Dazu gehören die Portraitserie von Joseph Beuys (Schellmann und Klüser, in Kooperation mit Lucio Amelio) sowie die „Details of Renaissance Paintings“ (Schellmann und Klüser), bei denen Warhol aus drei Meisterwerken der Renaissancemalerei Ausschnitte wählte und diese bearbeitete. Die drei zugrunde liegenden Bilder sind: „Die Geburt der Venus“ von Sandro Botticelli, “Der heilige Georg im Kampf mit dem Drachen” von Paolo Uccello und „Die Verkündigung“ von Leonardo da Vinci.

In den Räumen der Galerie Klüser 2 in der Türkenstr. 23 sind (bis zum 23. Oktober 2010) zudem Klassiker seiner Editionen wie beispielsweise die Portraits von Marilyn Monroe, Jacqueline Kennedy und J. W. Goethe zu sehen.


Ausgewählte Werke

Lenin (1986)
Lenin (1986/7)
Lenin (1986/87)
Details of Renaissance Paintings (Uccello: George and the Dragon) (1984)