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BERNARDÍ ROIG, 11. Mai 2010 – 26. Juni 2010

AN ILLUMINATED HEAD FOR BLINKY P.

Galerie Klüser 2

In ihrer aktuellen Ausstellung präsentiert die Galerie Klüser 2 zum ersten Mal Arbeiten des spanischen Künstlers Bernardí Roig. Die Ausstellung umfasst eine Gruppe von Skulpturen und Zeichnungen mit denen der Künstler sein eigenes Universum erschaffen hat. Sie stellen eine Weiterentwicklung seiner Grundthematik dar, die aus der Auseinandersetzung mit Aspekten von Licht und Blindheit, mit der Entfremdung, der Erinnerung und dem Unsichtbaren sowie seinen Metaphern entstanden ist.

An illuminated head for Blinky P. basiert als Hommage an Blinky Palermo auf der Arbeit Fenster, die dieser 1970-71 für das Kabinett für Aktuelle Kunst in Bremerhaven entworfen hatte.Palermo nimmt für Roig eine besondere Stellung in der Kunst des 20. Jahrhunderts ein. Er befreite die Abstraktion von der Last des Mythos und der Utopie und formulierte die Probleme der Nachkriegsabstraktion – in Europa – neu, indem er als innovativen Schritt die Gegensätze zwischen der malerischen Gegenwart und dem architektonischen Raum offen legte und sich damit über die von den Konstruktivisten geerbte heroische Seite hinwegsetzte.In seinem Werk Fenster, das Palermo in Bremerhaven zeigte, reproduzierte er das maßstabgetreue Abbild der Glasfassadenkonstruktion auf einer Seitenwand des Ausstellungsraumes und erreichte damit die schematische Abstrahierung einer realen architektonischen Form. Auch der Raum der Galerie Klüser 2 wird von der Fassadenfront und der Transparenz der großen Fenster dominiert. Indem Roig an der Stirnwand des vorderen Raumes die exakte Darstellung des strukturellen Schemas der Fassade anbringt, verfolgt er in seiner Ausstellung dieselbe Strategie, die Palermo 1971 anwandte. Doch wird in diesem Fall der Raum zusätzlich durch die gespenstische Präsenz einer lebensgroßen Figur belebt, die Ringe aus Neonröhren um den Kopf trägt. Die Bedeutung der geometrischen Abstraktion und die Gestaltung des Raumes bei Palermo ist prägend für einen Künstler der Generation Bernardí Roigs, dessen Ziel – eine neue Grundlage für die Platzierung eines Objektes im Raum zu erschaffen – eine Form der Präsentation voraussetzt, die über eine rein erzählerische Darstellung hinausgeht und gleichzeitig die aus dem Minimalismus geerbten Grundsätze einbezieht.

Bernardí Roig nutzt den Raum als Rohmaterial, indem er seine Figuren – Abgüsse ihm nahestehender Personen aus Kunstharz – in einen Dialog setzt, nicht nur mit dem Raum in den er eingreift, sondern auch mit den Erinnerungen dieses Raumes. Orte erzählen Geschichten, die vermittelt werden durch einen ersten Eindruck, aber auch durch die Sprache. Um dieses komplexe Bild darzustellen, braucht Roig die Figur, denn nur so erschafft er die Fiktion, die unsere Vorstellung der Welt ausmacht.Die Neonröhren sind dabei nicht als Beleuchtungsquelle gedacht. Im Gegenteil, sie verhindern vielmehr, dass wir die Figuren ganz sehen können und verdeutlichen so die Allgegenwärtigkeit unserer Blindheit. Dies ist nicht als Fehlen einer Vision zu verstehen, sondern als Möglichkeit etwas darzustellen – der Blick wird versperrt und umgeleitet und steht so für den Blick ins Innere. In den Arbeiten Roigs ist dieser Blick ins Innere und die Inszenierung minimalistischer Konnotationen ein Bollwerk des Widerstandes gegen eine heute geläufige „Übersichtlichkeit“, die den wertvollen Vorgang des Sehens aufzulösen droht. „Mich interessiert der theatralische Raum, den der Minimalismus erfindet, in dem die Skulptur ihren Sockel verliert, sich zwischen andere Objekte einfügt und im Hinblick auf den Ort neu definiert. Dennoch, kaum dass ich das gelernt hatte, hörte der Minimalismus auf mich zu interessieren, weil er das formalistische Modell der Moderne vollendet. Das ist idealistisch, reduzierend und wenig einprägsam. Und ich bin ein Junge aus Pompeji, der an das visuelle Erbe des Christentums glaubt, an die Idee der Inkarnation und ich kann nicht vergessen, dass das Rote auf einer Vase aus Kreta die Erinnerung an den letzten Sonnenuntergang enthält. Flavin nutzt die Neonröhre als Material, um den Raum zu dematerialisieren, und mir dient sie als Metapher, um eine Geschichte zu erzählen. Es gibt einen bedeutenden Antrieb in meiner Arbeit, der von der Figur über die Platzierungen der Figur im Raum bis zur Hoffnung reicht, dass Reibungen entstehen.“ (BR)

In der Ausstellung sind ergänzend zwei Aquarelle von Blinky Palermo zu sehen, die aus der Privatsammlung von Bernd Klüser stammen. Sie wurden vom Künstler ausgewählt, um die Wirkung des Dialoges zwischen dem Werk Palermos und der Geschichte der Galerie Bernd Klüser zu verstärken. Bernardí Roig wurde 1965 in Palma de Mallorca geboren. Erst kürzlich eröffnete seine Ausstellung BLOW UP im Parc Tournay-Solvay in Brüssel, dem Sitz des Espace Europeen pour la sculpture, die im April anlässlich der spanischen Präsidentschaft in der Europäischen Union installiert wurde. Zuvor (bis Februar 2010) zeigte das IVAM in Valencia seine bis heute umfangreichste Ausstellung SHADOWS MUST DANCE, die zuerst im Ca Pesaro im Zusammenhang mit der letzten Biennale in Venedig zu sehen war. Von 2006 bis 2007 fand die Einzelausstellung THE LIGHT EXERCISES SERIES statt, eine Auswahl aktueller Werke, die in verschiedenen Museen in Europa präsentiert wurde, wie dem PMMK – Musée d’Art Moderne de Oostende, dem Kampa Museum in Prag, dem Kunstmuseum in Bonn, dem Domus Artium in Salamanca und dem Museo Carlo Bilotti der Villa Borghese in Rom. Weitere Einzel-und Gruppenausstellungen ergänzen die Liste. Im vergangenen Jahr wurde außerdem auf der Triennale in Mailand eine von Skira herausgegebene Monographie über sein Werk mit Texten von Demetrio Paparoni vorgestellt.

 
Roig 2010 Installationview 1

Roig 2010 Installationview 2  Roig 2010 Installationview 4Roig 2010 Installationview 3


Ausgewählte Werke

Window's Project [I] (2010)
Study of a Fatherportrait (2014)
Fatherpetit (2014)