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ISCA GREENFIELD-SANDERS, 13. Sept. 2013 – 02. Nov. 2013

MARINES

Galerie Klüser 2

Der 35jährigen New Yorker Künstlerin Isca Greenfield-Sanders gelingt seit Jahren das, was in der zeitgenössischen Kunst zur Seltenheit geworden ist: Sie erreicht mit ihren atmosphärischen Bildern einen Wiedererkennungswert, der sich durch ein so hohes Maß an Leichtigkeit auszeichnet, dass das Misstrauen des Betrachters gegenüber der vermeintlichen Idylle sofort geweckt wird. Konfrontiert mit einer Bildwelt aus Urlaubsszenen und freudiger Ausgelassenheit sucht der Betrachter nach Anzeichen, die das Vergnügen stören könnten, erforscht das Bild und die suggerierte Ruhe vor dem Sturm, die es ausdrückt. In ihrem surrealen Ausdruck wirken die Bilder dennoch so erschreckend real, dass sie den Betrachter entführen in das Amerika der 1950er und 1960er Jahre, in ein dicht gewebtes Netz aus Narration und künstlerischer Technik, die so vielschichtig ist, wie die Motive selbst.Die Künstlerin erwirbt bei eBay oder auf Flohmärkten Fotografien aus den 1950er und 1960er Jahren, die das amerikanische Lebensgefühl dieser Zeit widerspiegeln.  Diese Fotografien – oder auch nur winzige Details davon – scannt sie in den Computer ein und reduziert sie bis sich die Bilder fast auflösen. Das Ergebnis wird dann ausgedruckt und mit Aquarellfarbe oder Buntstift überarbeitet. Die retuschierte Vorlage scannt sie wiederum in den Computer, vergrößert die Abbildung auf Leinwandgröße und druckt die Vorlage aufgesplittet in Quadrate von ca. 17,5 x 17,5 cm auf kleine Reispapiere. Diese werden auf die Leinwand aufgebracht und schließlich mit Ölfarbe übermalt. Der künstlerische Prozess, zusammengesetzt aus Fotovorlage, Reduzierung, Vergrößerung, Sektionierung und mehrfacher Behandlung mit verschiedenen künstlerischen Mitteln, unterstützt in seiner technischen Vielschichtigkeit die inhaltliche Aussagekraft, die Isca Greenfield-Sanders’ Werken zugrunde liegt: Die vielen farbenfrohen Strandszenen und Urlaubsassoziationen bilden nur die bühnenhafte Oberfläche für das Gefühl der Verlorenheit, der Ohnmacht, der Einsamkeit und der Angst, in der übermächtigen Kulisse aus Erinnerung und Vergänglichkeit.Die Galerie Klüser 2 zeigt in der Ausstellung „Marines“ neue Gemälde und Aquarelle von Isca Greenfield-Sanders. Vor allem die Aquarelle nähern sich durch das leicht gewellte Papier den Jahrzehnte alten Fotovorlagen in der Materialität an und weisen doch eine ganz eigene Ausdrucksstärke und thematische Heterogenität auf. Neben den Strandszenen, die einen so großen Teil im Schaffen der Künstlerin einnehmen, sind es singuläre Ereignisse, Sehenswürdigkeiten und Naturphänomene, die Eingang in das aktuelle Werk gefunden haben.Isca Greenfield-Sanders lebt und arbeitet in Manhattan und in den Hudson Highlands. Ihre Arbeiten befinden sich u.a. in der Solomon R. Guggenheim Collection, dem Brooklyn Museum / New York, dem Museum of Fine Arts / Houston, der Sammlung der Estée Lauder Corporation sowie im Museum Schloss Morsbroich in Leverkusen.Ramona Greiner

Ausgewählte Werke

Canadian Pacific (2012)
Sailboats (2009)
Cudjoe Bay II (2009)