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JEFF COWEN, 1. April – 30. April 2010

SCARAB

Galerie Klüser 2

 

Blind in one eye, forever I traveled through the desert night…

When arrived, in the darkness, an enormous Scarab*…

At the vision, of this goliath, I passed out cold.

Dawn’s light. I awoke to a nymph, and her sunflower.

A mirage? A woman? A Goddess?

Alexandra.

She pointed toward the desert’s horizon, the sun and its illuminating light.

Alexandra walked, and I, no longer blind, followed her to Ra**.

 

Jeff Cowen, 2010

 

*The Scarab, or the God Khepera, in Egyptian mythology, was believed to have moved the sun.

**Ra, the ancient Egyptian sun god.

 

 

 

In seiner zweiten Ausstellung in der Galerie Klüser zeigt Jeff Cowen Photographien, die im Zusammenhang mit seiner letzten Ägyptenreise entstanden sind. Für dieses Projekt arbeitete er mit Alexandra Ni zusammen, einer in Kasachstan geborenen ehemaligen Balletttänzerin und Tänzerin des Modernen Koreanischen und Russischen Tanzes.

Jeff Cowens Werke sind keine Photos im herkömmlichen Sinne. In einem aufwendigen Arbeitsprozess werden sie bis ins Detail gestaltet. Verklebte Risse, malerische Spuren und das grobe wellige Papier machen sie zu Objekten – oder Skulpturen, wie der Künstler sie selbst bezeichnet.

Ausgangspunkt ist die intensive Auseinandersetzung mit dem Modell, das aktiv am Gestaltungsprozess beteiligt ist. Dies beinhaltet, dass das endgültige Motiv nicht im Vorfeld festgelegt wird, sondern in einem interaktiven Prozess zwischen Künstler und Modell langsam entsteht und so zu einem Spiegel der wechselseitigen Beziehung wird. Sobald das Motiv festgelegt ist, wird die Position in akribischer Feinarbeit genau bestimmt. Dabei ist es Cowen wichtig, für sein Photo einen Moment festzuhalten, der kurz vor oder nach dem Einnehmen dieser statischen Haltung eingefangen wird. So entsteht ein Ausdruck, der über das rein Physische hinausgeht, in emotionale Bereiche vordringt und trotzdem eine fast zufällige und lockere Wirkung behält.

Bei der Nachbereitung in der Dunkelkammer finden, durch die Behandlung des Papiers mit chemischen Flüssigkeiten während des Abzugsprozesses, die malerischen und collageartigen Eingriffe des Künstlers in das Photo statt. Hier bringt Cowen, wie er sagt, die innere Welt des Bildes, seine Welt und Natur und deren Beziehung zum Bild nach außen. Jeder Abzug eines Photos ist vom Künstler selbst bearbeitet und erhält dadurch seine eigene Vitalität. So entsteht die singuläre Wirkung seiner Arbeiten, die eine eigene Welt erschaffen, voller Emotionen und intensiver Ausdrucksstärke, wie sie die herkömmliche Photographie alleine nicht hervorrufen kann.

Der Titel der Ausstellung bezieht sich auf die Bedeutung des Skarabäus (Scarabaeus sacer) in der altägyptischen Mythologie. Durch seine runde Gestalt und seine goldfarben glänzenden Flügeldecken wurde der Dungkugeln rollende Käfer mit der Form und dem Glanz der Sonne verglichen und diente somit als Symbol für den Sonnengott Re, besonders in dessen Gestalt des Chepre, der aufgehenden Morgensonne. Im Alten Ägypten nahm man an, dass sich der männliche Käfer durch die vor sich herrollende Kugel selbst erneuere, ebenso wie Re, der nach seinem abendlichen Untergang am Morgen wiedergeboren wird und den Menschen Licht, Wärme und Leben spendet. Dadurch wurde der Skarabäus auch zum Symbol für Verjüngung, Zeugungskraft, Auferstehung und Leben.

Jeff Cowen wurde 1966 in New York geboren. Er studierte Orientalistik an der Waseda Universität in Tokio und an der Universität New York sowie Anatomie und Aktzeichnung an der Art Students League (New York) und der New York Studio School. Von 1988 bis 1992 arbeitete er als Assistent bei Larry Clark und Ralph Gibson, was ihn maßgeblich beeinflusste. Nach einem längeren Aufenthalt in Paris zog der Künstler vor einem Jahr nach Berlin, wo er heute lebt und arbeitet.