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TONY CRAGG, 18. September 2012 – 28. Oktober 2012

SCULPTURES AND DRAWINGS

Galerie Klüser & Galerie Klüser 2

Der britische Künstler Tony Cragg ist einer der international bedeutendsten Bildhauer seiner Generation. Von den Anfängen in den 70er Jahren, in denen aus dem Alltag stammende Fundstücke die Grundlage für Wand- oder Bodeninstallationen bildeten, bis hin zu den aktuellen großformatigen Skulpturen, ist sein Werk geprägt von der Sensibilität für das verwendete Material und einer markanten visionären Ästhetik.Die Galerie Klüser, die Tony Cragg seit 1981 vertritt, zeigt nun bereits die 14. Einzelausstellung des Künstlers und präsentiert eine Gruppe aktueller Skulpturen sowie korrespondierend dazu Zeichnungen und Aquarelle, die seine monumentalen bildhauerischen Arbeiten als eigenständige Werkgruppe ergänzen. Die Ausstellung wird gemeinsam in den Galerieräumen der Georgenstraße 15 und der Türkenstraße 23 gezeigt.In seinem Frühwerk arbeitet Cragg mit gefundenen Gegenständen, von industriell gefertigten Massenprodukten wie Kunststofffragmenten von Gefäßen, Kämmen, Feuerzeugen, usw. bis hin zu natürlichen Materialien wie Holz und Stein. Die Fundstücke verarbeitet er hier noch unmittelbar, um ‚mitʼ statt ‚ausʼ ihnen etwas zu schaffen, die kreative Leistung liegt in ihrer Neu-Kontextualisierung: „Ich habe das Gefühl dass all die Materialien und Techniken, die bisher entdeckt worden sind, ein Alphabet bilden, das sich verwenden lässt, um eine neue Sprache zu bilden, eine neue visuelle Sprache, welche man benutzen kann, um die komplexe Welt zu beschreiben.“ (Tony Cragg, Holland 1990)Aus der frühen Phase der Analyse von Materialeigenschaften und ihren Möglichkeiten geht die spezifische Formgebung hervor, die Craggs aktuelle Skulpturen auszeichnet. An die Stelle der additiven Zusammenstellung tritt eine untrennbare Material-Form-Symbiose. Craggs Skulpturen vereinen geometrisch- mathematische Fragestellungen mit den organischen Formen der Natur. Den aktuellen Skulpturen liegen technoide und geometrische Grundformen wie Kreise und Ellipsen zugrunde, die den Durchmesser der Skulpturen stets neu bestimmen. Durch die Schichtung dieser in ihrer Größe variierenden, kreisförmigen Platten, die an den Aufbau einer menschlichen Wirbelsäule erinnern, wird die Umrisslinie in Bewegung versetzt. Es entstehen säulenartige Skulpturen, in denen sich Referenzen unter anderem auf Gegenstände sowie auf menschliche Profile abzeichnen.Diese Dynamik, die den Skulpturen implizit innewohnt, spielt auch im zeichnerischen Werk des Künstlers eine zentrale Rolle. Zwar lassen sich einzelne Objekte erkennen, doch liegt der Schwerpunkt dieser Arbeiten nicht auf der mimetischen Abbildung des Gegenstandes, sondern auf deren Bewegungs- und Veränderungsmöglichkeiten im Kontext der Komposition. Die Zeichnung mit ihrem vibrierenden Gestus lässt so jene Dimensionen erahnen, die die Plastik verschweigt. Cragg visualisiert hier das dynamische Wechselspiel der Kräfte im Raum: von Teilchen und Welle, Partikel und Strahlung, Schwingung und Strömung sowie von dem Geschehen zwischen den Körpern im Raum, welcher erfüllt ist von unsichtbaren Kräften.Cragg selbst bezeichnet sich gerne als „Materialisten“, der die Möglichkeiten seiner immer wieder neuen und auch in dieser Ausstellung breit repräsentierten Werkstoffe erforscht. Cragg dazu in einem Interview: „Der Versuch, die materielle Welt zu verstehen und sie als Sprache zu verwenden, ist in Wahrheit ein Zeichen für den liebevollen Respekt, den wir der Materie, in der wir leben und aus der wir geschaffen sind, entgegenbringen. Das Wort „Materie“ leitet sich aus dem Wort „mater“ [lat.“Mutter“] her (…) So beschreibt der Begriff Materialismus, dieses schmutzige kleine Wort, mit dem wir um uns werfen, in seinem Kern etwas, mit dem wir in einer sehr tiefen Beziehung stehen.“ (Tony Cragg, Holland, 1990)

Tony Cragg wurde 1949 bei Liverpool in England geboren. Nach einer Ausbildung zum Labortechniker studierte er an verschiedenen Kunsthochschulen Englands, zuletzt am Royal College of Art. Seit 1977 lebt er in Wuppertal und nimmt an der Kunstakademie Düsseldorf einen Lehraufttrag wahr; 1988 wird er dort Professor, dann Prorektor und seit 2009 hält er das Amt des Rektors inne. 1988 vertitt Cragg Großbritannien an der 43. Biennale in Venedig. Er erhält im gleichen Jahr den Turner Prize und 2007 die Auszeichnung Praemium Imperiale des japanischen Kaiserhauses. Sein Werk wurde weltweit in bedeutenden Museen ausgestellt, u.a. in der Tate Gallery (London), der Reina Sofia (Madrid), dem Centre Georges Pompidou (Paris), dem Walker Art Center (Minneapolis) oder dem Lenbachhaus (München). 2012 wurde ihm das Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen.

 
Cragg 2012 Installationview T23_1

Cragg 2012 Installation View, G15_15  Cragg 2012 Installationview T23_2  Cragg, 2012, Installation View, T23_4  Cragg, 2012, Installation View, G15_20


Ausgewählte Werke

Untitled (2018)
Mixed Emotions (2011)
Level Head III (2017)
Over the Earth (2017)
Red Square (2016)
Woman's Head (2015)
Untitled (2012)
Untitled (2012)
Wave Forms (2007)
Willow (2015)
Wild Relatives (2012)
I Thought So (2012)